Als in der groĆen sturmbewegten Zeit, die uns Deutschen das neue Reich schuf, Scheffel zum Lieblingsdichter der deutschen Jugend wurde und sein kraftfroher, echt süddeutscher Humor auch im deutschen Norden sich tausend und abertausend Herzen gewann, wuĆten nur wenige von dem innigen Zusammenhang, den spƤter die biographische Forschung zwischen den Vorfahren des Dichters und seinen Werken festgestellt hat. Aber schon in meiner grundlegenden Scheffel-Biographie Ā»Scheffels Leben und DichtenĀ« (1887) habe ich eingehend nachweisen kƶnnen, wie die wunderbare poetische Anschauungskraft Scheffels für die deutsche Kulturwelt früherer Zeiten ein geistiges Erbe aus der Anschauungswelt seiner eignen Ahnen war. Am 16. Februar 1826 kam Joseph Victor Scheffel in Karlsruhe, der Haupt- und Residenzstadt des GroĆherzogtums Baden, zur Welt. Er war der Ƥlteste Sohn des Regierungsingenieurs Jakob Scheffel, welcher der badischen Wasser- und StraĆenbaudirektion als Oberbaurat und dem badischen Geniekorps als Hauptmann Ć la suite angehƶrte. Mit seiner jungen Frau Josephine, geborenen Krederer, bewohnte er damals den zweiten Stock des dreistƶckigen Wohnhauses SteinstraĆe Nr. 25. Gebürtig waren aber beide Eltern aus dem südlichen Schwarzwald, der Vater vom alemannischen Westrand, die Mutter vom schwƤbischen Ostrand, und des Sohnes AhnenbewuĆtsein lernte früh als seine Heimat im weiteren Sinne das ganze historisch so bedeutsame, landschaftlich so schƶne Gebiet zwischen der jungen Donau, dem jungen Rhein und dem unteren Neckar betrachten, das sich dann in seinen Hauptwerken so farbenfrisch und anmutend spiegeln sollte.
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